Elisabeth - Mythos und Wahrheit

     

    Elisabeth war die zweite Tochter des Herzogs Max Joseph in Bayern (1808-1888) und seiner Frau Prinzessin Ludovika Wilhelmine (1808-1892), Tochter des bayerischen Königs Maximilian I. und dessen zweiter Gemahlin Prinzessin Karoline Friederike Wilhelmine von Baden. Taufpatin war deren Tante, Königin Elisabeth Ludovika von Preußen (1801-1873).

    Sie wuchs mit ihren Geschwistern im Herzog-Max-Palais in der Münchner Ludwigstraße auf, wo sie auch am 24. Dezember 1837 geboren wurde. In den Sommermonaten residierte die Familie in Possenhofen am Starnberger See, wo sie eine unbeschwerte Kindheit verbrachte. Ihre Eltern hatten keinerlei Verpflichtung am königlich-bayerischen Hof. Ihre Geschwister waren:

    Ludwig (Louis) Wilhelm (1831-1920)
       1.  ∞ (morg.) 1857 Henriette Mendel, ab 1859 Freifrau von Wallersee
       2.  ∞ (morg.) 1892-1913 Antonie Barth, 1892 von Bartholf
    Wilhelm (1832-1833)
    Helene (Néné) Karoline Therese (1834-1890)
          
    ∞ 1858 Erbprinz Maximilian Anton von Thurn und Taxis
    Karl Theodor (Gackel) (1839-1909)
       1.  ∞ 1865 Prinzessin Sophie von Sachsen
       2.  ∞ 1874 Infantin Marie José von Portugal-Braganza
    Marie Sophie Amalie (1841-1925)
           ∞ 1859 König Franz II. von Neapel-Sizilien
    Mathilde Ludovica (Spatz) (1843-1925)
          
    ∞ Ludwig (Luigi) Graf von Trani und Prinz von Neapel-Sizilien
    Sophie Charlotte Auguste (1847-1897 bei einem Brandunfall)
       1.      1867 Ver- und Entlobung König Ludwig II. von Bayern
       2.  ∞ 1868 Herzog Ferdinand d'Alençon-Orléans a.d.H. Bourbon
    Maximilian Emanuel (Mapperl) (1849-1893)
          
    ∞ 1875 Prinzessin Amalie von Sachsen-Coburg und Gotha

    Verlobung in Ischl
    Als Erzherzogin Sophie (1805-1872) es an der Zeit fand, dass ihr Sohn, der junge Kaiser Franz Joseph von Österreich (1830-1916), heiraten sollte, begab sie sich auf die Brautsuche. Sie hatte zunächst mit Prinzessin Maria Anna (1836-1918), die Nichte des preußischen Königs, dann mit der sächsischen Cousine, Prinzessin Maria Sidonie (1834-1864) verheiraten wollen, war aber im ersten Fall am Widerstand Berlins, im zweiten Fall an der ablehnenden Haltung Franz Josephs gescheitert. Daraufhin fasste Sophie (1805-1872) eine Verbindung mit dem Haus Wittelsbach ins Auge. Sie und ihre Schwester, Herzogin Ludovika in Bayern, hatten Elisabeths älteste Schwester Helene (Néné) (1834-1890) zur Braut des jungen Monarchen bestimmt. Im Sommer 1853 sollten die beiden sich in Ischl verloben.

    Herzogin Ludovika reist mit ihren beiden Töchtern, Helene und Elisabeth, nach Ischl und logierte im Hotel. Ludovika hatte Elisabeth eigentlich nur mitgenommen, um sie nach einer Schwärmerei für einen nicht standesgemäßen Grafen auf andere Gedanken zu bringen. Überdies stand vielleicht eine Heirat mit Franz Josephs jüngerem Bruder Erzherzog Karl Ludwig (1833-1896) in Aussicht; die beiden jungen Leute schrieben einander seit Jahren Briefe. Doch Franz Joseph machte den beiden Müttern einen Strich durch die Rechnung. Statt in Helene verliebte er sich in die 15-jährige bayrische Prinzessin Elisabeth. Zwei Tage nach ihrer ersten Begegnung stand die Verlobung fest.

    Nach einem halben Jahr Verlobungszeit verließ Elisabeth am 20. April 1854 ihr Heimatland Bayern. Von der Familie bis nach Straubing an der Donau begleitet, wo die Braut und ihre Mutter den Raddampfer für die Reise nach Linz in Oberösterreich bestiegen. Nach einer Übernachtung dort setzte man die Reise nach Wien am Bord des neuen Expressdampfers fort. Die Fahrt war ein Triumphzug der künftigen Kaiserin von Österreich. Bei ihrer Ankunft in Wien gestaltete sich der Empfang, mit dem ganzen Zeremoniell und der Pracht, die man von der Hauptstadt eines Weltreiches erwarten durfte zu einem herausragendem Ereignis.

    Am Abend des 24. April 1854 traute Kardinal Rauscher, der Erzbischof von Wien, das junge Paar in der Augustinerkirche, die zum Gebäudekomplex der Hofburg gehört.

    Erziehung zur Kaiserin
    Schon in den Flitterwochen in Schloss Laxenburg überhäufte Sophie ihre Nichte mit Anordnungen, Benimmregeln und scharfen Worten. Franz Joseph war den ganzen Tag in der Wiener Hofburg und regelte seine Regierungsgeschäfte. Elisabeth war schon in den ersten Wochen ihrer Ehe oft verzweifelt. Inmitten der intriganten Hofgesellschaft hatte sie an große Einsamkeit gelitten und befand sich in einem nicht enden wollenden Nervenkrieg mit ihrer Schwiegermutter.

    Kinder und Erziehung
    Ein knappes Jahr nach der Hochzeit gebar die junge Kaiserin ein Mädchen, das nach Franz Josephs Mutter Sophie getauft wurde. Im nächsten Jahr schenkte sie ihrem Gatten die Tochter Gisela Louise Marie. Obwohl es Mädchen waren, die ja nicht auf ihre Aufgaben als künftiger Regent vorbereitet werden mussten, durfte Sisi die Kinder nicht in ihrer Obhut behalten. Sie hatte sie zwar geboren aber für die Erziehung sei sie jedoch zu jung, erklärte Sophie und entzog die Kinder dem Einfluss der Mutter. Wenn sie ihre Kinder sehen wollte, hatte sie ihre Schwiegermutter um Erlaubnis zu fragen. Sophie war während des Zusammentreffens Elisabeths und ihrer Töchter immer anwesend.

    Erst auf einer gemeinsamen Reise, weit weg vom Einfluss Sophies, erreichte Elisabeth endlich, dass sich der Kaiser für seine Frau einsetzte und sie wieder mehr mit den Kindern zusammensein konnte. Auf einer Reise durch Ungarn kam es zu einer persönlichen Tragödie für das Kaiserpaar: Beide Mädchen erkrankten an Durchfall und Fieber. Die zehn Monate alte Gisela war bald wieder auf den Beinen, die zweijährige Sophie Friederike Dorothea Maria Josepha jedoch starb nach einem langen Todeskampf (Typhus) in den Armen ihrer Mutter. Nicht genug des Leidens: Elisabeth wurde auch noch die Schuld am Tod ihres Kindes zugeschrieben.

    Elisabeth brachte im Jahre 1858 den Kronprinzen Rudolf Franz Karl Joseph zur Welt. Von der Geburt erholte sie sich diesmal nur schwer und langsam. Auch dieses Kind musste sie der Schwiegermutter überlassen und durfte nie eine echte Mutter-Kind Beziehung zu ihm aufbauen.

    Ihr viertes und letztes Kind brachte Elisabeth 1868 in Ofen zur Welt. Das „ungarische Kind“ bekam den Namen Marie Valerie Mathilde Amalie. Die kleine Erzherzogin begleitete ihre Mutter oft auf ihren ausgedehnten Reisen, da sie das einzige Kind war, zu dem Sisi eine mütterliche Beziehung aufgebaut hatte. Um ihre beiden anderen Kinder indes kümmerte sie sich weiterhin wenig, auch auf deren Eheschließungen nahm sie kaum Einfluss.

    Die rastlose Kaiserin
    1860 erkrankte die Kaiserin Elisabeth plötzlich. Unter anderem litt sie unter andauerndem Husten, und es war die Rede von einer nicht näher definierten Lungenkrankheit. Die Diagnose konnte wegen psychosomatischen Ursachen nicht wirklich festgestellt werden. Jedenfalls wurde eine mehrmonatige Kur auf Madeira dringend angeraten. Elisabeth nahm geradezu dankbar an. Alles war ihr recht, um dem Wiener Hof zu entkommen. Franz Joseph musste die Königin Victoria von England (1819-1901) um ein Schiff ersuchen, das seine Frau nach Madeira bringen konnte. Nach sechs Monaten kehrte Elisabeth zurück. Kaum jedoch in Wien zurück erlitt sie einen alarmierenden Rückfall. Die Ärzte vermuteten „Lungenschwindsucht“. Dieses Mal fuhr die Kaiserin nach Korfu im Ionischen Meer. Die Insel gefiel ihr sehr, und später baute sie ihr altgriechisches Traumschloss Achilleion dort.

    Die „Flucht“ vor dem Wiener Hof 1860/61 war der Anfang einer Rastlosigkeit und einer Reiselust, die sie bis zu ihrem Tod plagen würde. Griechenland, Kleinasien, Nordafrika, Großbritannien, ganz Europa würde die einsame, rastlose Kaiserin über die Jahre besuchen, als sie (gewöhnlich unter einem Pseudonym, um lästigen offiziellen Empfängen zu entgehen) auf der Suche nach Frieden reiste, den sie letztlich nie fand.

    Als Elisabeth nach fast zweijähriger Abwesenheit an den Wiener Hof zurückkehrt, ist eine tief greifende Verwandlung vor sich gegangen: Aus dem anmutigen, aber schüchternen und melancholischen Mädchen ist eine selbstbewusste stolze Schönheit geworden. In dieser Zeit entstehen auch die berühmten Portraits von Franz Xaver Winterhalter. Das bekannteste ist zweifellos jenes Gemälde aus dem Jahr 1865, das Elisabeth in Hofgala mit Diamantsternen im Haar zeigt.

    Franz Joseph hatte sich längst an die Abwesenheit seiner Frau gewöhnt. Um seine Einsamkeitzu lindern, arrangierte Elisabeth 1885 die Bekanntschaft der Schauspielerin Katharina Schratt (1853-1940) für ihren Mann. Sie wurde fortan Ansprechpartnerin und Vertrauensperson des Kaisers. Diese seltsame Freundschaft wurde durch die Kaiserin von jeglichem Hauch eines Skandals bewahrt. Nichtsdestoweniger freute sich Franz Joseph über jeden Tag, den Elisabeth bei ihm und der Familie verbrachte. Während sie durch halb Europa reiste, schrieb ihr der Kaiser einen liebenden Brief nach dem anderen. Er machte sich dauernd Sorgen um ihre Gesundheit, um ihre Sicherheit.

    Königin von Ungarn
    Ein einziges Mal setzte sich Kaiserin Elisabeth vehement für ein politisches Ziel ein. Dies war der Ausgleich mit Ungarn. Sie liebte das Temperament, die Freiheitsliebe und den Stolz der Ungarn. Um die Mentalität und die Kultur besser zu verstehen, lernte sie sogar die schwierige ungarische Sprache bis zur Perfektion. Es wurde ihr zum Anliegen, dieses Volk mit ihrem Mann zu versöhnen.
    Der Wiener Hof und an seiner Spitze Erzherzogin Sophie war nach wie vor gegen die ungarische Bewegung. Elisabeth verstand es aber mittlerweile, ihren Einfluss auf den Kaiser auszunutzen. Sie war abgeklärt genug, um nicht mehr um Liebe und Verständnis zu betteln, sondern suchte als Ersatz für ihren Mangel an persönlichem Glück die Durchsetzung ihrer Wünsche und Ziele. Anfang 1867 hatte sie gewonnen: Der Ausgleich kam zustande, und Ungarn wurde seine alte Verfassung zuerkannt. Aus dem Kaiserreich Österreich war die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn entstanden. Bei den Vorbereitungen für die Krönung war Elisabeth häufig mit Graf Gyula Andrássy (1823-1890), seit 1867 erster ungarischer Ministerpräsident, zusammen und hatte sich in ihn verliebt. Die Flirts der Kaiserin mit Graf Andrássy blieben dem Kaiser nicht verborgen, doch von ihrem Mann ließ sich Elisabeth nichts mehr vorschreiben. Sie wusste von Franz Josephs Affären mit anderen Frauen.

    Die Krönung fand am 8.Juni 1867 in der Mathiaskirche in Budapest statt und war für Elisabeth einer der bewegensten Höhepunkte ihres Lebens. Die prunkvollen Feierlichkeiten dauerten vier Tage, und das Kaiserpaar bekam Schloss Gödöllö als Geschenk des ungarischen Volkes. Es sollte zu einem von Elisabeths Lieblingsaufenthalten der nächsten Jahre werden.

    Reitsport
    Elisabeth war schon in ihrer Jugend eine gute Reiterin, so auch ihr Gatte, Franz Joseph. In Wien übte sie sich in der hohen Schule des Dressurreitens auf Lipizzanern in der Spanische Hofreitschule. Sie und ihre Nichte Marie Louise Elisabeth Freiin von Wallersee-Larisch (1858-1940) nahmen an den berühmten Reitjagden der österreich-ungarischen Monarchie teil und besuchten 1874 erstmals die Reitjagden in England, da noch als Zuschauerinnen. 1876 traf sie erstmals den englischen Captain Bay Middleton (1846-1892), einen berühmten Parforce-Reiter seiner Zeit, der sie auch trainierte. Schon im gleichem Jahr war sie die vielgelobte „Königin hinter der Meute“. Sie glänzte in England bei den anspruchsvollsten Jagden inmitten der besten Reiter des Landes.

    Ab 1882 brach ihre Jagdleidenschaft plötzlich ab, Ärzte stellten bei der 44-jährigen Kaiserin Rheumatismus fest. Nach ihrer Karriere als Reiterin galt ihre Leidenschaft dem Fechtsport und dem Schwimmen, in Ischl hatte sie sogar ihr eigenes Schwimmbad.

    Elisabeths Gedichte
    Gedichte spielten eine sehr wichtige Rolle in Elisabeths Leben. Sie verfasste ein poetisches Tagebuch und in schlechten Zeiten drückte sie ihre Gefühle in Gedichten aus. Dies empfahl ihr die rumänische Königin, Prinzessin Elisabeth Pauline Ottilie Luise zu Wied (1843-1916). Zu ihr, die selbst unter einem Pseudonym „Carmen Sylva“ dichtete, hielt die Kaiserin eine freundschaftliche Beziehung. Sie erklärte Elisabeth, Gedichte zu schreiben sei ein guter Blitzableiter

    Elisabeth verehrte den zu dieser Zeit bereits gestorbenen Dichter Heinrich Heine (1797-1856) und orientierte sich an seiner Art, Gedichte zu schreiben. Die Verehrung ging über die übliche Liebe eines Literaturfreundes weit hinaus. Sie kannte lange Passagen von Heine auswendig und beschäftigte sich auch intensiv mit dem Leben des Dichters. Mit dem 1856 in Paris gestorbenen Heine glaubte sie sich eng verbunden, fühlte sich als seine Jüngerin und glaubte, der Meister diktiere ihr die Verse in die Feder. Das Dichten wurde für Elisabeth mit der Zeit zur Therapie.

    Der Schönheitskult der Kaiserin
    Männer und Frauen ihrer Zeit schwärmten von der märchenhaften Schönheit Elisabeths, waren aber noch mehr angezogen von ihrer Anmut, Ausstrahlung und der geheimnisvollen Aura, die die Kaiserin umgab. Elisabeth gilt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit und war sich dessen durchaus bewusst. Ihre Schönheitspflege nahm einen Großteil ihres Tagesablaufes ein. Besonders stolz war Elisabeth auf ihr dichtes Haar. Ihrer Zeit voraus verfolgte sie einen regelrechten Körperkult, trieb viel Sport und achtete sehr auf ihre Figur. Durch strenge Diäten und enge Korsetts brachte sie ihre Wespentaille (50 cm) in Form und wurde zu einer modischen Ikone. Weil sie anfangs aus Schüchternheit bei Audienzen kaum sprach und den Mund kaum öffnete, entstand die Legende über ihre angeblich schlechten Zähne. Dies konnte jedoch anhand ihrer sterblichen Überreste widerlegt werden. Im Laufe der Jahre wuchs ihre Selbstsicherheit und sie wurde zunehmend als Schönheit wahrgenommen. Elisabeth pflegte eine Selbststilisierung, die in der Literatur als Schönheitkult beschrieben wird.

    Haar-Kult
    Die Meisterin, die das kaiserliche Haar betreute, hieß Fanny Angerer und war einst Friseurin am Wiener Burgtheater. Dort waren der Kaiserin die phantasievollen Frisuren der Schauspielerinnen aufgefallen und sie hatte Fanny dem Theater mit einem märchenhaften Angebot abgeworben. Sie war auch die Schöpferin der „Kronenfrisur“, fortan Markenzeichen der Kaiserin. Die tägliche Haarpflege und Frisur dauerte drei Stunden, die Haarwäsche, zu der 30 rohe Eidotter mit Cognac vermischt wurde, den ganzen Tag. Die Prozedur fand alle drei Wochen statt. Um die ausgekämmten Haare vor der Kaiserin zu verbergen, bediente Fanny sich einigen Tricks, so ließ sie z.B. an einem Klebeband an ihrer Schürze unbemerkt verschwinden. In späteren Jahren lässt sie sich vermutlich die Haare mit Indigo und einem Extrakt aus Nussschalen tönen.

    Viele Damen des Hofes ließen es sich einiges Kosten, von Fanny Angerer frisiert zu werden, was dieser zu einem ansehnlichen Zusatzverdienst verhalf. Die Kaiserin war so zufrieden mit ihr, dass sie am liebsten deren Heirat verhindert hätte. Als ihr das nicht gelang, nahm sie auch den Ehemann in ihren Dienst. Er wurde zum Reisemarschall ernannt, schließlich Hofrat und später in den Ritterstand erhoben. Das Jahresgehalt von Fanny Angerer-Feifalik lag bei 2.000 Gulden, genauso hoch wie bei einem Universitätsprofessor.

    Diät-Wahn
    Für das Essen verschwendete Kaiserin Elisabeth dagegen weniger Zeit. Orangendiät, Eidiät, Milchdiät, gesalzenes rohes Eiweiß, den Saft von Rindfleisch statt eines Mittagessen und hin und wieder ein kandiertes Veilchen- nichts blieb unversucht, um kein Gramm zuviel auf die Waage zu bringen. Ihr Gewicht wurde dreimal täglich kontrolliert und in einer Liste eingetragen. Auch der Umfang von Taille, Schenkel und Waden wurden genau gemessen. Bei einer Körpergröße von 172 cm durfte es 50 Kilogramm nicht überschreiten. Mit deren fortschreitendem Alter sprach es sich herum, dass auch eine kaiserliche Haut solchen Schönheitskult übelnahm. Die berühmte Schönheit der Kaiserin schwand und infolge der übertriebenen Fastenkuren traten sogar Hungerödeme bei ihr auf. Um ihr gealtertes Gesicht zu verbergen und möglichst unerkannt zu bleiben, führte sie stets einen Lederfächer und einen Schirm mit sich. Dabei galt die Schlankheit, die Elisabeth so wichtig war, damals keineswegs als besonderes Ideal. Die Damenwelt fand sich damit ab, dass nur junge Mädchen schlank waren. Ebenso nahmen sie es als gegeben hin, dass die jugendliche Figur mit den Jahren und durch die Geburt deren Kinder schwand.

    Turnübungen
    Um ihre von Natur aus schlanke und hochgewachsene Figur zu erhalten, aber wohl auch wegen ihrer großen inneren Unruhe, unternahm sie täglich kilometerlange Gewaltmärsche im Eiltempo, bei denen ihre Hofdamen regelmäßig kaum mithalten konnten. Und es gab in jedem ihrer Domizile Turnzimmer mit allen möglichen Geräten, mit Ringen, Reck und Hantel. Bewegung war oberstes Gebot, ebenso ausgedehnte Ritte. Sie galt als eine der besten und wagemutigsten Reiterinnen ihrer Zeit.

    Schicksalsschläge und der Tod
    Die von vielen beneidete Kaiserin von Österreich konnte den Schicksalsschlägen nicht entgehen, die ihr Leben begleiteten:

    1857 starb ihre Tochter Sophie (1855-1857) im Alter von nur zwei Jahren an Typhus.
    Ihre Schwester, Königin Marie von Neapel-Sizilien (1841-1925), verliebt sich in einen Offizier der päpstlichen Garde, Armand de Lavayss und wird von ihm schwanger. Um einen Skandal zu vermeiden, reiste Marie in ein Augsburger Ursulinenkloster und bringt dort 1862 ihre Tochter zur Welt, die an die Familie des Vaters übergeben wurde.
    Auf Veranlassung des französischen Kaisers Napoleon III. (1808-1873), wurde Erzherzog Maximilian von Österreich (1832-1867) 1864 gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zum Kaiser von Mexiko ausgerufen. 1867 wurde er entmachtet, von einem Kriegsgericht abgeurteilt und am 19. Juni 1867 von antimonarchischen Aufständischen in Santiago de Querétaro standrechtlich erschossen.
    Seine Frau, Prinzessin Charlotte von Belgien (1840-1927) verfiel in Wahnsinn. Sie verbrachte den Rest ihres Lebens sehr zurückgezogen. Zuerst auf Schloss Miramare und dann auf Château de Bouchout in Meise, Belgien. Man sagt, sie habe bis zu ihrem Tod geglaubt, sie wäre amtierende Kaiserin in Mexiko.
    Ihr Seelenfreund König Ludwig II. von Bayern (1845-1886), der Sohn ihres Cousins Maximilian II., wurde 1886 ebenfalls für geisteskrank erklärt und gefangengesetzt. Wenig später kam König Ludwig II unter bis heute ungeklärten Umständen im Starnberger See zu Tode.
    Ihr Sohn Kronprinz Rudolf (1858-1889) litt unter starken Stimmungsschwankungen und war schwer krank (Syphilis). Am 30. Januar 1889 nahm er sich in Schloss Mayerling durch einen Schuss in den Kopf das Leben, nachdem er die 17jährige Baronesse Marie (Mary) Vetsera erschossen hatte, während die Todesanzeige am Tag darauf von einem Herzschlag sprach. Seit dem Tod ihres Sohnes trug die Kaiserin nun mehr schwarze Trauerkleidung. Sie quälte sich mit dem Gedanken, sie hätte die Tragödie von Mayerling irgendwie abwenden können. Elisabeth gab sich auch verstärkt spiritistischen Neigungen hin und vermeinte, in Kontakt zu sein u.a. mit Achilles, Heinrich Heine und ihrem verstorbenen Verwandten Ludwig II..
    Ihre Schwester, Herzogin Sophie von Alencon (1847-1897), kam durch ein Feuer bei einem Wohltätigskeitsbasar auf der Pariser Weltausstellung ums Leben.
     
    Gewaltsamer Tod in Genf
    Kaiserin Elisabeth kam am  9. September 1898 in Genf an, wo sie einer Einladung der Familie Rothschild nachkam.
    Als sie am nächsten Tag auf dem Weg vom Hotel zum Schiff war, mit dem sie nach Caux weiterreisen wollte, stürzte der italienische Anarchist Luigi Lucheni (1873-1910) sich auf sie und rammte ihr eine Feile in die Brust. Der Einstich war so klein, dass er zunächst nicht bemerkt und für einen einfachen Faustschlag gehalten wurde. Die Kaiserin erhob sich wieder und ging an Bord des Schiffes. Erst dort brach sie zusammen und starb bald darauf im Hotel, in das sie zurückgebracht worden war. All dies geschah nur wenige hundert Meter vom Hotel „Beau Rivage“ entfernt, in dem sie übernachtet hatte.

    Ihr gewaltsamer Tod birgt noch eine besonders tragische Komponente: Lucheni wollte nach eigener Aussage im Verhör ursprünglich den Prinzen Henri Philippe d´Orléans (1867-1901) ermorden. Da dieser aber kurzfristig seine Reisepläne änderte und nicht in Genf eintraf, erstach Lucheni Elisabeth, von deren Anwesenheit er zufällig in der Zeitung gelesen habe, in der sie unter dem Titel Gräfin von Hohenembs als Gast aufgeführt war. Da es dem Attentäter nicht um eine bestimmte Person ging, sondern nur darum, der Aristokratie an sich einen Schlag zu versetzen, erwählte er nun die österreichische Kaiserin als Opfer.
    Am 17. September wurden die sterblichen Überreste der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn mit allen Ehren in der Wiener Kaisergruft beigesetzt. Ihr Sarkophag ruht neben dem ihres Sohnes und dem ihres Gemahls. Doch das Mitgefühl der Menschen galt vor allem dem Kaiser, der einen neuen Schicksalsschlag erlitten hatte.

    Graf Kielmannsegg bemerkte später nüchtern: „Es wurden ihr nur wenige Tränen nachgeweint.“ Doch mit ihrem tragischen Tod beginnt Elisabeths Unsterblichkeit – vergessen ist alle Kritik. Was bleibt, ist die Erinnerung an die schöne, unnahbare Kaiserin. Der Mythos Sissi ist geboren.

    Elisabeth - Mythos und Wahrheit
    Sissi-Filme - 
    In den frühen Filmen der 1920er und 1930er Jahre spielte Elisabeth meist die „Nebenrolle“ als Frau von Kaiser Franz Joseph oder als Mutter von Kronprinz Rudolf.

    Erst mit Ernst Marischkas Stück „Sissi“ wurde das Leben der Kaiserin in den Mittelpunkt der Erzählung gestellt. Die erste filmische Adaption übernahm - ausgerechnet - Josef von Sternberg, der Regie bei dem Streifen The King Steps Out
    von 1936 führte. Die damals sehr populäre Opernsängerin Grace Moore spielte die Hauptrolle der Cissy. Der Streifen war leidlich erfolgreich, blieb jedoch bis zur legendären Trilogie aus den 1950er eher die Ausnahme in seiner Darstellung der jungen, lebenslustigen Kaiserin.

    Jean Cocteau nahm sich der dunklen Seiten ihres Charakters in seinem Stück L'Aigle aux deux Têtes (dt. Der Doppeladler) an. Als Ende der 40iger Pläne zur Verfilmung anstanden, war Greta Garbo für die Hauptrolle vorgesehen. Die Produktion war schon relativ weit fortgeschritten, als am Ende das Geld ausging.

    Im deutschsprachigen Raum ist das Bild der Kaiserin Elisabeth geprägt durch die Filme der Sissi-Trilogie mit Romy Schneider in der Hauptrolle. Ein Zusammenschnitt aller drei Filme wurde unter dem Titel Forever My Love 1962 in den englischsprachigen Verleih gebracht. Die Resonanz war insgesamt verhalten. Interessante Parallele am Rande: während das Österreich-Bild in der bundesdeutschen Öffentlichkeit unter anderen auch von den Sissi-Filmen geprägt war, prägte im Rest der Welt der Film The Sound of Music von 1965 die Wahrnehmung von Österreich als walzerselige Kulisse für romantische Liebesgeschichten.

    1972 trat Romy Schneider noch einmal als Kaiserin Elisabeth im Film auf: Luchino Visconti zeigte in seinem „Ludwig II.“ eine kapriziöse, distanzierte Elisabeth, die mit der „Sissi“ aus den 1950er Jahren nichts mehr gemein hatte.

    Eine ungleich differenziertere Darstellung der Elisabeth lieferte 1955 die Schauspielerin Ruth Leuwerik in Helmut Käutners monumentaler Verfilmung des Lebens von Ludwig II. Leuwerik interpretierte die Kaiserin als verlorenen, einsamen Menschen und stellte die Einsamkeit der Kaiserin in den Mittelpunkt.

    Sisi-Museum in Wien
    In der Wiener Hofburg wurde direkt neben den Kaiser-Appartements ein eigenes Sisi-Museum eingerichtet, das sich vor allem dem privaten Leben der Elisabeth widmet. Den Mittelpunkt der Ausstellung soll die private Frau zeigen - Kaiserin Elisabeth als Mutter, als Dichterin und als Reisende.                                      Quellenauszug auf Anfrage

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Das persönliche Wappen der Kaiserin

Ein Foto der Kaiserin

Schloß Possenhofen, renoviert 1980
mit Umbau in Eigentumswohnungen

Die Kaiserin verbrachte den größten Teil
ihre Jugendzeit in den Sommermonaten
im elternlichen Schloß
in Possenhofen am Starnberger See.
 

Franz Joseph I., Elisabeth sowie die drei Kinder Rudolf, Marie Valerie und Gisela (von links nach rechts) am Schloss Gödöllö

Kaiserin Elisabeths Salonwagen

Kaiserin Elisabeth

Das Casino auf der Roseninsel um 1850
im Starnberger See.
Hier hatte sich mehrmals die
Kaiserin Elisabeth mit König Ludwig den II
von Bayern getroffen und auch Briefe wurden gegenseitig hinterlegt.

Foto unten, Casino und Rosengarten
mit Glassäule nach der Renovierung (2005).

Kaiserin Elisabeth
Statue am Wiener Westbahnhof

In der Kaisergruft in Wien

Historischer Bahnhof Possenhofen

...es laufen Bemühungen, den noch namenlosen Bahnhofsvorplatz in:

umzubenennen.

Bahnhof Possenhofen,
renovierte Vorhalle (2006) Eingang zum Kaiserin-Elisabeth-Museum
der Gemeinde Pöcking

Museum im Königsalon
Herrschaftlicher Warteraum im Bahnhof

Kaiserin Elisabeth Museum im historischem Bahnhofsgebäude Possenhofen